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Lebendige Technik:

Gastkommentar von Dipl.-Ing. Walter Boltz, Geschäftsführer der E-Control GmbH

 
Dipl.-Ing. Walter Boltz, Geschäftsführer der E-Control GmbH

Die Gaskrise im Jänner des Jahres 2009 hat die mannigfaltigen Risiken einer sicheren Versorgung mit Energie vor Augen geführt. Für die heimischen Konsumenten besteht nur ein relativ geringer Unterschied zwischen tatsächlicher Knappheit und explodierenden Preisen aufgrund von Preisabsprachen der Lieferländer, zwischen gewollter Einschränkung der Lieferung und rein technischen Ursachen.

Versorgungssicherheit umfasst im Endeffekt ausreichendes Energieangebot zu leistbaren Preisen. Die Energieversorgung eines Staates unterliegt immer bestimmten Risiken, die sich auch nicht ausschalten lassen. Aufgabe der Krisenvorsorge ist es, möglichst kostengünstige und flexible Antworten auf die unterschiedlichen Risikoszenarien zu finden.

Die üblichen Antworten von Regierungen sind bekannt: Energiesparen, Diversifizierung und Nutzung heimischer Ressourcen. Sehr oft müssen aber derartige Ziele gegen den Markt, das heißt entgegen bestehenden Kostenrelationen verwirklicht werden; sie kosten daher Geld, das von den Konsumenten aufzubringen ist – direkt über höhere Preise oder indirekt über Steuern und Abgaben.

Wie die Gaskrise gezeigt hat, werden sehr oft nur Teile der Europäischen Union von Einschränkungen betroffen sein. Wenn ausreichend Transportinfrastruktur vorhanden ist, wenn Märkte integriert sind, dann sollten bereits Marktmechanismen ausreichen, um Energie dorthin fließen zu lassen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Der Markt fungier t hier also als natürlicher „Solidaritätsmechanismus“. Explizite Krisenmechanismen sind dann nicht notwendig. Europa hat die Voraussetzungen dafür leider (noch) nicht geschaffen, bei Problemen ist daher noch immer jeder im Wesentlichen auf sich alleine gestellt. Während im Jänner Konsumenten in Bulgarien und Rumänien frieren mussten, war Gas in Nordeuropa so günstig wie schon lange nicht mehr.

Eine gemeinsame Energiepolitik der EU-Staaten wird notwendig sein, um die Risiken einer sicherlich weiter steigenden Importabhängigkeit bei Primärenergie effizient meistern zu können. Die Marktintegration ist eine Voraussetzung für gemeinsames Handeln der EU-Mitgliedstaaten in Sachen Versorgungssicherheit, da durch sie energiepolitisch nationale Alleingänge nicht mehr belohnt werden.