TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE
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TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE

Portrait:

Geschliffene Technik

 

Der Schwazer Schleifmittelhersteller Tyrolit ist einer der wichtigsten Innovationsträger und industriellen Arbeitgeber Tirols. Der TÜV AUSTRIA ist langjähriger Partner des weltweit aktiven Unternehmens und wurde zum globalen Zertifizierungspartner für Qualitäts- und Umweltmanagement des Konzerns.

Ferienwetter kennt die Nordsee nordöstlich der Shetland Inseln keines. Regen und Sturm dominieren das Klima während zwei Drittel des Jahres. Und dennoch zieht es unablässig Tausende von Menschen in diese unwirtliche Gegend. Unter der rauen See lagern ausgiebige Öl- und Erdgasvorräte, deren Förderung seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch eine Perlenkette an Bohrplattformen forciert wird.

Nach mittlerweile 40 Jahren leeren sich die ersten Lagerstätten. Hunderte der einst mühsam aufgebauten Plattformen stehen kurz vor oder am Ende ihres Daseins. Für die betreibenden Ölgesellschaften stellt sich damit ein großes Problem: Sie müssen die abertausenden Tonnen Schrott rückbauen und entsorgen.

Diamantcollier von Tyrolit für den Stahlgiganten, der am offenen Meer zersägt und entfernt werden muss

Exemplarisches Beispiel dafür ist die Plattform North West Hutton, 120 Kilometer nordöstlich der Shetland-Inseln. Der Meeresgrund ist dort 140 Meter tief und manche der über 40 Bohrlöcher der Plattform reichen über 6.000 Meter in die Lagerstätte hinein. Die North West Hutton misst stolze 270 Meter – fast doppelt so hoch wie die Cheops-Pyramide in Ägypten. Auf Grund des Alters, der Konstruktion und der Größe der Anlage ist es nicht möglich, sie zur Wiederverwendung an einen anderen Standort zu verlegen. Die Betreiber entschlossen sich für ein Brachialkonzept des Abbaus: Die Stahlplattformen werden zersägt.

Diamantseilsägen

Im Fall von North West Hutton werden umfangreiche Versuche mit Diamantseilsägen des Tiroler Unternehmens Tyrolit durchgeführt. Die bis zu 100 Meter langen und mit hydraulischen Antriebsmaschinen verbundenen diamantbesetzten Stahlsägen drehen sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Meter pro Sekunde. Diamantseilsägen des Tiroler Unternehmens aus der Swarovski-Gruppe haben für die Ölkonzerne einen großen Vorteil: Sie schneiden Stahlkonstruktionen von nahezu unbegrenzter Wandstärke auch unter widrigsten Umständen – eine Eigenschaft, die in der Nordsee besonders gefragt ist. Denn künftig sollen Plattformen in riesige Teile zersägt und erst an Land zerlegt werden. Technik stößt bei Windgeschwindigkeiten jenseits der 100 km/h schnell an ihre Grenzen.

Erfolg mit Bestand

Nachhaltiger Erfolg erzählt immer eine Geschichte. So wurden im Swarovski-Stammwerk in Wattens schon früh Werkzeuge zum Schleifen und Polieren von Kristallglas in Eigenregie hergestellt. Mit der Gründung einer eigenen Produktion sicherte sich 1919 Firmenvater Daniel Swarovski den Bedarf an den benötigten Schleifmitteln. Heute gilt Tyrolit weltweit als führender Anbieter für alle denkbaren schleiftechnologischen Anwendungen und Komplettlösungen und spielt mit seinen 80.000 verschiedenen Produkten weltweit in der Champions-League der Schleifmittelherstellung.

Frischbetonschneiden eines Industriebodens

Alle internationalen Schlüsselindustrien vertrauen auf die Produkte und Prozesslösungen aus Schwaz und schleifen, trennen und bohren fast jedes Material jeder Härte. Dort wo Beton, Stein, Glas, Holz, Metall oder Kunststoffe einer Bearbeitung unterzogen wird, kommen Produkte des Unternehmens zum Einsatz. In der Knappenstadt Schwaz ist Tyrolit seit 1950 zu Hause. Mit über 1.200 Mitarbeitern – davon alleine 150 Personen in Forschung und Entwicklung – befinden sich im Stammwerk Hirn und Herz des Familienunternehmens der Swarovski- Gruppe. Weltweit erwirtschafteten insgesamt 4.580 Mitarbeiter 2008 einen Umsatz von über 504 Mio. Euro. Dabei ist Innovation für das weltweit agierende Unternehmen identitätsbestimmend. Ein Beleg dafür: 30 % des Jahresumsatzes werden mit Produkten erzielt, die jünger als drei Jahre sind.

Internationalisierung

In den 90er Jahren wurde das Wachstum durch gezielte Akquisitionen und Joint-Ventures beschleunigt. Tyrolit setzte auf die Nähe zum Kunden und dessen lokale Versorgung. Die Bau-, Fahrzeug-, Flugzeug-, Schiffs- oder Natursteinindustrie – Bereiche, in denen Produkte von Tyrolit verstärkt zum Einsatz kommen – verlagerten ihre Produktionsstätten in die ganze Welt. Und das Tiroler Unternehmen begleitete seine Kunden. Inzwischen produziert Tyrolit in 15 Ländern und 25 Werken auf allen Kontinenten der Welt. Zwei Drittel der Belegschaft arbeiten außerhalb der österreichischen Grenzen. Gleichzeitig sorgt ein dichtes Vertriebssystem dafür, dass Tiroler Qualitätsarbeit in nahezu jedem Winkel der Welt zu finden ist.

Partner über Jahrzehnte

Tyrolit und der TÜV AUSTRIA „arbeiten seit Jahrzehnten zusammen“, erzählt der Tiroler TÜV-Geschäftsstellenleiter Walter Schwaiger. Basis der Kooperation sind die traditionellen Bereiche wie Prüfungen im Bereich der Druckbehälter, Aufzüge oder Hebezeuge. „Technische Sicherheit hat bei Tyrolit traditionell einen hohen Stellenwert“, weiß Schwaiger.

Tyrolit Gebäude in Schwaz

Relativ frisch ist die Partnerschaft im Bereich des Qualitätsmanagements und der Zertifizierungen. Die TÜV AUSTRIA Cert wurde 2007 nach einem Auswahlverfahren mit der Verbundzertifizierung im Bereich der Managementsysteme beauftragt. Die TÜV AUSTRIA-Tochter organisiert seither jährlich sämtliche Audits an allen zer tifizierten Produktionsstandorten des Unternehmens im Qualitätsund Umweltbereich. „Wir kümmern uns um Audits in Buenos Aires ebenso wie in Cincinnati oder in Bangkok“, beschreibt Klaus Mlekus, Vertriebsleiter und Leadauditor, den Aufgabenbereich der TÜV AUSTRIA Cert. Die Kooperation von Tyrolit und der Zertifizierungsstelle des TÜV AUSTRIA steht auf fester Basis.

Die Mitarbeiter des TÜV wurden zwischenzeitlich auch mit Produkt- und Personenzertifizierungen beauftragt.

Damit kann der TÜV auf Qualitäts-Beurkundungen in allen wesentlichen Zertifizierungsarten bei Tyrolit verweisen. „Tyrolit ist ein Vorzeigeunternehmen in Bezug auf die Grundeinstellung zum Thema Qualität bei der Qualifizierung der Mitarbeiter, der Qualität der Produkte und der Managementsysteme. Die Art der Zusammenarbeit ist aus der Sicht von TÜV AUSTRIA ein schöner Vertrauensbeweis des Kunden“, wie Klaus Mlekus unterstreicht. Einheitliche Qualitäts- und Organisationsstandards sind für eine Unternehmensgruppe existentiell, die arbeitsteilig auf der gesamten Welt produziert und aktiv ist. Auch in der Nordsee.