TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE
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TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE

Internationalisierung des TÜV AUSTRIA:

Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt

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Zur Zeit der Gründung des TÜV AUSTRIA im Jahre 1872, damals noch mit dem sperrigen Firmennamen „Dampfkesseluntersuchungs und Versicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit“, stand die Sicherheit von Dampfkesseln in Industriebetrieben im Vordergrund. In Österreich waren zu dieser Zeit jährlich an die 700 Todesopfer und beträchtliche Zerstörungen durch Dampfkesselexplosionen zu beklagen. Der Fokus der Tätigkeit war auf eine Reihe von sicherheitsrelevanten Fragen wie Qualität des Materials, Güte der Fertigung und Betriebsführung von Dampfkesseln ausgerichtet.

Die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft“ war im gesamten Hoheitsgebiet des damaligen Kaiserreichs Österreich tätig. Der Urenkel, die TÜV AUSTRIA Gruppe, ist es heute wieder. Im Laufe der Geschichte hat sich viel verändert, auch der TÜV AUSTRIA.

Nach dem 2. Weltkrieg war der TÜV AUSTRIA, der damals unter dem Namen TÜV Wien firmierte, ausschließlich auf das österreichische Staatsgebiet beschränkt, wo er seine zum großen Teil staatsentlast-enden Tätigkeiten und Verpflichtungen entfaltete. Nicht zuletzt wegen der großen Erfolge in der Überwachung von Dampfkesselanlagen - die Zahl der Explosionen hatte bis in die Zwischenkriegszeit drastisch abgenommen - wurde die Tätigkeit auf die Prüfungen von Elektroanlagen, Aufzügen, Krane, Hebezeugen etc. ausgeweitet. Basis der Aktivitäten war nach wie vor die österreichische Gesetzgebung, die im weitesten Sinne die Sicherheit von Anlagen und den darin beschäftigten Menschen im Auge hatte.

EG und EFTA

In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts startete die EG, den freien Warenverkehr auf eine völlig neue Basis zu stellen, den so genannten „New Approach“. Verträge der EG mit der EFTA, insbesondere das „Tampere-Abkommen“, das eine harmonisierte Vorgangsweise zwischen EG und EFTA vorsah, brachten eine Trendwende. Ebenso brachte die Einführung der ISO 9000 Serie eine starke Veränderung in der Wirtschaftslandschaft.
Das rasante Anwachsen des Flugverkehrs, sinkende Energiekosten und das Anwachsen des elektronischen Verkehrs über das Internet machten die Welt auf einmal kleiner und den Austausch von Waren und Dienst-leistungen einfacher.

Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ suchten viele Kunden des TÜV billigere Produktionsstätten jenseits der Grenzen. Die Tschechoslowakei und Ungarn waren zu Beginn die bevorzugten Ziele für Produktions-standorte. Der TÜV AUSTRIA begleitete seine Klienten bei ihrem Internationalisierungsprozess. So wurden Mitte der 90er Jahre Tochterunternehmen in Ungarn, Tschechoslowakei, Griechenland und Deutschland gegründet. Außerdem ist der TÜV AUSTRIA der TÜV CERT, einer weltweit agierenden Zertifizierungsgemeinschaft in Deutschland, beigetreten, um eine internationale Plattform für den Start der Zertifizierungstätigkeit mit ISO 9000 zu nutzen. Mit dem Beitritt Österreichs zur EU am 01.01.1995 wurde noch einmal die Motivation zur Internationalisierung des TÜV AUSTRIA gestärkt.

Trendwende

Die Welle der Internationalisierung hat auch andere Unternehmen der Prüf- und Zertifizierungsbranche erfasst, die ihre Aktivitäten in das nahe und ferne Ausland ausdehnten. Die dabei gemachten Erfahrungen sind bei allen expandierenden Unternehmen vergleichbar. Erfolge und Misserfolge stellten sich ein, bürokratische Hürden waren zu überwinden, kulturelle Unterschiede traten zutage und Sprachprobleme führten zu Missverständ-nissen. Aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen variieren von Land zu Land und die Nachfrage bzw. der Markt für technische Dienstleistungen erwiesen sich als sehr unterschiedlich. Der weltweite Siegeszug der Qualitätsnorm ISO 9000 hat in fast allen Ländern zum Erfolg der Niederlassung oder Tochter geführt.

Die ursprüngliche internationale Tätigkeit des TÜV, nämlich die Abnahme von Bauteilen, Dampfkesseln etc. nach österreichischem Regelwerk im Ausland hingegen hat zufolge der Umstellung auf europäische Regel-werke abgenommen. Dennoch sind Aufgaben dieser Art, die nach europäischen Normen erfolgen, nicht ganz verschwunden, zumal in vielen Bereichen ein „Notified Body“ wie der TÜV AUSTRIA - eine in der gesamten EU anerkannte, kompetente Prüf-/Überwachungsstelle - in die Konformitätsbewertung eingeschaltet werden muss. Obwohl der Mitbewerb auf dem Gebiet der „Notified Body“-Aktivitäten beträchtlich ist, hat sich der TÜV AUSTRIA einen vergleichsweise hohen Marktanteil erarbeitet, wobei Kompetenz, Problemlösungsorientierung und Kundennähe entscheidende Faktoren darstellen. Die Größe des Unternehmens ist hier nicht das entscheidende Kriterium.

Weitere Entwicklung

Der EU-Beitritt Österreichs stellte für technische Dienstleister einen entscheidenden Einschnitt dar. Der liberalisierte Wettbewerb schuf völlig neue Rahmenbedingungen. Gleichzeitig eröffneten sich aber neue Chancen. Einstmals geschlossene Märkte wurden potentielle Betätigungsfelder. Der TÜV AUSTRIA nahm die strategische Herausforderung an. Nach den Gründungen der Tochterunternehmen in Griechenland, Ungarn, Tschechien und Deutschland wurden zahlreiche Zielländer nach verschiedensten Gesichtspunkten ins Auge gefasst: Niederlassungen in Italien, Malta, Iran, Zypern, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowenien, Türkei, Abu Dhabi, Bahrain, China und Korea und last but not least die USA repräsentieren heute eine bunte Mischung unter dem Dach der TÜV AUSTRIA Gruppe. Das jeweils angebotene Leistungsportfolio ist je nach Markt-gegebenheiten unterschiedlich. Mittlerweile erzielt die gesamte Gruppe 15 % des Umsatzes im Ausland.

Eine Besonderheit ist die Ausweitung der Tätigkeiten in Deutschland. Hier hat aufgrund der Rechtslage bis zum 31.12.2007 ein spezieller Gebietsschutz für wiederkehrende Prüfungen an Druckgeräten und Aufzügen bestanden. Nun hat der TÜV AUSTRIA die Berechtigung für derartige Prüfungen in Deutschland erlangt und seine Aktivitäten auch auf den großen Nachbarn ausgeweitet.

Internationale Gremien

Die Internationalisierung hat auch in anderen Bereichen stattgefunden. So wurde beispielsweise die Normenarbeit durch die beiden Abkommen „Vienna Agreement“ und „Dresdner Agreement“ von der nationalen Ebene (ON, ÖVE) auf die europäische Ebene (CEN, CENELEC, ETSI) bzw. auf die weltweite Ebene (ISO, IEC, ITU) verlagert. Das bedeutet für den TÜV AUSTRIA, dass die aktive Mitarbeit an der Normengestaltung anspruchsvoller und aufwändiger (Zeit und Geld) geworden ist. Trotz des erhöhten Aufwandes sind die Experten in vielen Normenprojekten aktiv involviert.

Neben der Normentätigkeit hat auch die Arbeit in internationalen Dachorganisationen wie EUROLAB, CEOC International, Notified Body-Foren etc. einen hohen Stellenwert. So stellt der TÜV AUSTRIA seit Jahren den Präsidenten sowie mehrere Vorsitzende von Technischen Komitees in CEOC International oder den Vorsitzenden eines Notified Body-Forums. Der Nutzen dieser Arbeiten liegt im Wissensvorsprung, den sich die Experten erarbeiten und der zum Wohle der Kunden an diese weitergegeben wird.

Resultat und Ausblick

Die Internationalisierung hat zu einem bedeutsamen Wachstumsschub des Unternehmens TÜV AUSTRIA geführt. Die Zahl der internationalen Projekte ist stark im Wachsen, sodass man feststellen kann, dass der TÜV AUSTRIA die Wende zum internationalen Unternehmen geschafft hat. Eine Reihe wichtiger Projekte ist in Vorbereitung. Wir sind überzeugt, die Zukunft des TÜV AUSTRIA in einer weiteren Internationalisierung des Unternehmens mit einer starken Basis in Österreich zu finden.