Verkehrswirtschaft:Ein Bus für alle Fälle | |
Im maltesischen LaValletta verrichtet ein Touristenbus seine Arbeit zu Lande und zu Wasser. Der Amphicoach gilt als große technische und touristische Attraktion. Die TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH prüfte das vielseitige Fahrzeug auf Herz und Wasserdichte.
Wer in der letzten Zeit im sonnenverwöhnten Malta Urlaub macht, dem kann es passieren, dass er seinen Augen nicht trauen will. Flink tummelt sich im Hafenbecken von La Valletta ein Reisebus, dessen Formen ihn zu Lande etwas behäbig aussehen lassen – wie von übereifrigen Designern entworfen. Doch gerade diese Rundungen sind es, die den Bus auch zu Wasser zu einem flotten Fortbewegungsmittel machen.
Die Rede ist vom Amphicoach, einem Reisebus, der das Schwimmen gelernt hat. Entstanden ist diese ungewöhnliche Idee in den Gedanken von George Smith, einem umtriebigen Geschäftsmann aus Schottland, der Malta zu seiner Wahlheimat auserwählt hat.
George Smith hatte die Idee, die mit einem Schiff in La Valletta ankommenden Touristen in einem Bus durch den Hafen zu führen und anschließend einen Ausflug im umgrenzendes Gebiet anzubieten, ohne dass die Fahrgäste das Gefährt wechseln müssen. Aus diesen Überlegungen entstanden die ersten Entwürfe für einen Amphibienbus, einem in seiner Kategorie weltweit einzigartigen Gefährt.
Lange Jahre der Entwicklung und die erfolgreiche TÜV-Abnahme
Es folgten mehrere Jahre der Entwicklung, in denen George Smith mit seinem Team das Konzept des schwimmenden Busses immer mehr präzisierte. Es stellte sich heraus, dass zwei grundsätzlich unterschiedliche Welten in einem Fahrzeugkonzept vereint werden mussten:
Die Eigenschaften eines Schiffes, das allen maritimen Regeln entsprechen, und eines Busses, der allen europäischen Straßen und Beförderungsrichtlinien gerecht werden muss. Das Fahrzeug wurde von Grund auf neu geplant. Zwar wurden handelsübliche Komponenten und Baugruppen verwendet, wie zum Beispiel der Antriebsstrang eines Lkws, jedoch wurden diese in einem einzigartigen Konzept verschmolzen.
Im Sommer 2006 wurde der erste Prototyp einer umfassenden Zulassung in Form einer maritimen als auch einer straßenverkehrstauglichen Prüfung zugeführt. Die Prüfung war besonders bemerkenswert, da mehrere hundert Seiten europäische Richtlinien und Regelwerke Anwendung fanden.
Das TÜV-Team musste jedes noch so kleine Detail sorgfältig prüfen, und das bei Temperaturen von knapp 40°C im Schatten. Der Prüfumfang umfasste elementare Punkte, wie zum Beispiel das Abgasverhalten und die Geräuschemissionen.
Die zugrundeliegende Bus-Richtlinie beschreibt detailliert, welche Sicherheitsvorkehrungen für die Passagiere zu treffen sind. Und so musste auch ein aufwendiger „Rollover-Test“, der ein Kippen des Busses mit einem anschließenden Überschlag simuliert, durchgeführt werden.
Jenseits des Normen-Dschungels
Nach mehreren Monaten Überarbeitung des Prototyps konnte auch die Zulassung des Busses für den Straßenverkehr in Malta positiv abgeschlossen werden.
„Wir wussten nicht, wie umfangreich die gesetzlichen Grundlagen für einen Bus sind, aber gemeinsam mit der TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH ist es uns gelungen, selbst die sicherheitsrelevanten Punkte erfolgreich zu erfüllen“, so George Smith, der Geschäftsführer der Firma GSSV (George Smith Specialists Vehicles), der bereits viele Anfragen für seinen Amphibienbus aus aller Welt erhielt.
Mittlerweile ist das Design des Amphicoach komplett überarbeitet worden, der Rumpf erhält mehr Auftrieb, der Propellerantrieb wurde durch ein modernes Wasserstrahltriebwerk und der Kabinenaufbau durch eine moderne Leichtbauausführung ersetzt.
Bald erfolgt die Auslieferung von mehreren Exemplaren nach Korea und auch nach Europa. Grund genug, in Kürze wieder nach Malta zu fliegen, um die Änderungen einer abschließenden TÜV-Prüfung zu unterziehen, denn das Vertrauen in die Dienstleistungen der TÜV AUSTRIA Gruppe ist weltweit ein Garant für Sicherheit.
Autor: Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Guggenberger, MBA