Porträt:Wärme, Wasser und mehr | |
Die Salzburg AG ist mehr als ein Stromlieferant. Das Unternehmen bietet mit Gas, Fernwärme, Wasser, Kabel-TV, Telekommunikation, Verkehr und Internet ein ganzes Bündel an weiteren Dienstleistungen für Salzburgs Haushalte und Betriebe. Die Aktivitäten des Unternehmens reichen bis Dubai.
Wer die Erzherzog-Johann-Hütte aus eigener Anschauung kennt, darf halbwegs stolz auf sich sein. Der Weg zum Gipfel des Großglockners führt über Österreichs höchstgelegene Schutzhütte auf 3.485 Metern – und ist buchstäblich steinig und steil. In zahlreichen Ausbaustufen hat sich die Hütte in den vergangenen 126 Jahren über die gesamte Felsnase der „Adlersruh“ gezogen. Die Versorgung einer abgeschiedenen Hütte mit Strom und Wärme ist ein ständiges Problem. Im vergangenen Sommer wurde der unbefriedigenden Notlösung eines Dieselaggregates ein völlig neuer Ansatz gegenübergestellt: Ein Tochterunternehmen der Salzburg AG entwickelte und produzierte zusammen mit Siemens ein Blockheizkraftwerk, das effizient Strom und Wärme für die mehr als 121 Gästeplätze brachte. Das Besondere an der Entwicklung: Das kleine Blockheizkraftwerk wird mit Rapsöl betrieben. Mit der Salzburg AG-Entwicklung wird eine hundertprozentig ökologische und vor allem sichere Energieversorgung im sensiblen Bereich des Nationalparks gewährleistet. Die Aktivitäten der Salzburg AG sind aber nicht nur himmelwärts gewandt. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen auch im mittleren Osten aktiv, als eine Keramikfirma in Dubai von Flüssig- auf Erdgasversorgung umgestellt wurde. Die Salzburg AG war für Planung und Umsetzung des Projekts verantwortlich. Aktuell werden in Salzburg Pläne geprüft, sich verstärkt in den V.A.E. zu engagieren.
Viele Säulen
Sechs Jahre nach der Fusion der beiden Salzburger Versorgungsunternehmen SAFE und Salzburger Stadtwerke hat die Salzburg AG aus einem breiten ein allumfassendes Leistungsangebot gemacht. Es gibt keine Versorgungsleistung mehr, die sich nicht im Por tefeuille der Salzburger findet. Strom, Erdgas, Fernwärme, Wasser, Verkehr, Kabel- TV, Internet, Telefon – alles hat im breiten Korb der Salzburger seinen Platz. „Wir wollen als eigenständiges Salzburger Unternehmen offensiv neue Konzepte in allen Geschäftsbereichen entwickeln. Es ist unser Ziel, der erfolgreichste regionale Energieund Infrastruktur-Dienstleister in Österreich zu sein,“ gibt der Vorstandssprecher der Salzburg AG, Arno Gasteiger, den Weg vor. Im Portefeuille des Versorgers finden sich so unterschiedliche Unternehmungen wie 25 Wasserkraftwerke, die O-Busse der Stadt, die Lokalbahn zwischen Stadt und dem oberösterreichischen Trimmelkam, aber auch so illustre Projekte wie die Schafberg-Bahn, die Wolfgangsee-Schifffahrt oder der Aufzug zum Mönchsberg. Die breite Aufstellung hat einen klaren Hintergrund: „Salzburg soll in Sachen Energie und Infrastruktur möglichst unabhängig bleiben. Es ist unser strategisches Ziel, die Abhängigkeit unseres Bundeslandes von den internationalen Energie- und Rohstofflieferanten so gering wie möglich zu halten“, erklärt Gasteiger.
Auf eigenen Beinen
Arno Gasteiger und sein Vorstandskollege August Hirschbichler steuern mit dem Unternehmen einen strikten Kurs der wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Gesellschaftsrechtliche Einbindungen in österreichweite Strom- und Erdgaslösungen wurden stets abgelehnt. Hirschbichler: „Wir sichern unsere Eigenständigkeit durch Kooperationen im Inund Ausland. Das hat sich in den vergangenen fünf Jahren als überaus erfolgreicher Weg bewährt.“ So ist die Tiroler TIWAG bei der Strom- und Gasvertriebstochter My-Electric eingestiegen, im Erdgasbereich wird mit dem größten deutschen Gaskonzern, der Eon- Ruhrgas, kooperiert, beim Wasser gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Mondseer Unternehmen BWT. Auch im Verkehrs- und Internet- Bereich bestehen mehrere Kooperationen, die in Summe die Unabhängigkeit des Salzburger Unternehmens sichern sollen.
Versorgungssicherheit
Aktuell kämpft die Salzburg AG um die nachhaltige Sicherung der heimischen Stromversorgung. Aus dem einstigen Stromexportland Österreich ist seit 2001 ein Nettoimporteur geworden. In Salzburg allein wächst der Verbrauch pro Jahr um rund 72.000 Kilowattstunden, was ungefähr einer Jahresproduktion in einem Salzachkraftwerk entspricht. „Wasserkraft ist die attraktivste Form der erneuerbaren Energie. Deshalb müssen wir in einem Bundesland mit hohem Wasserangebot diese Ressourcen auch nützen", erklärt Gasteiger. Derzeit erzeugt die Salzburg AG 30 % ihres Stroms aus eigenen Wasserkraftwerken. Dieser Anteil soll erhöht werden. In Hallein baut das Unternehmen das Kraftwerk Gamp neu. Bei den Kraftwerken Naßfeld in Bad Gastein und Hintermuhr sind Erweiterungen geplant. Und in Werfen/Pfarrwerfen wurde am 25. Oktober 2006 der Spatenstich zu einem lange geplanten Kraftwerk an der Salzach vorgenommen, wo in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit der Verbundtochter "Austrian Hydro Power" ein modernes Kraftwerk um 63,5 Millionen Euro errichtet wird. In Planung ist derzeit auch ein neues Kraftwerk in der Stadt bei der Sohlstufe Lehen, für das aber noch keine definitive Entscheidungen gefällt wurde. Sollte es im Laufe des Jahres 2007 zu einem Bauentscheid kommen, könnte das Wasserkraftwerk Sohlstufe Lehen Anfang 2010 ans Netz gehen und ca. 25.000 Haushalte mit Strom versorgen.
Multi-Media-Anbieter
Jüngstes Kind sind die Multi-Media-Dienste. Der Salzburger Versorger setzt verstärkt auf die Wachstumsbranchen Internet und Telefonie. Basis für die Dienstleistung ist das Kabelnetz, das 80.000 Salzburger Haushalte mit TV-Programmen versorgt. Die transferstarken Kupfer- und Glasfiberleitungen transportieren auch Breitband-Internet und Sprachtelefonie. „Mit dem Kabelnetz können wir alle Möglichkeiten des Datentransfers abdecken. Diesen Markt mit steigenden Kundenzahlen wollen wir für uns entwickeln“, erklärt Gasteiger. Mitte September kam das Angebot eines Festnetz-Telefonanschlusses zu den CableLink-Produkten dazu. Im Businessplan stehen für heuer noch 1.000 Neukunden, 15.000 sollen in den nächsten vier Jahren mit CableLink telefonieren. Mittelfristig soll so der Umsatzanteil der Multi-Media-Dienste von gegenwärtig 6 % DATEN UND FAKTEN Umsatz 2005 728,1 Mio. Euro EGT 17,9 Mio. Euro Investitionen 99,3 Mio. Euro Mitarbeiter 2.047 Eigentümer Land Salzburg 42,56 % Stadt Salzburg 31,31 % Energie Oberösterreich 26,13 % auf ein zweistelliges Niveau gehoben werden.
Langjährige Partnerschaft
Die Salzburg AG betreibt in und um die Stadt drei Heizkraftwerke, die den Ballungsraum mit Fernwärme versorgen. Mit dem HKW Mitte verfügt die Stadt Salzburg seit 2003 über eine der modernsten Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen Europas. Eine leistungsstarke Gasturbine holt das Maximum an Energie aus dem Rohstoff Erdgas heraus. Der TÜV Österreich war damals mit der Bauüberwachung der Gasturbine beauftragt. TÜV-Techniker kontrollierten die Herstellung der Gasturbine an ihren Produktionsorten in Polen und der Slowakei und garantierten für die auftragsgemäße Konfiguration des Aggregates. Die Ingenieure des Salzburger TÜVBüros sind auch mit der periodischen Prüfung der Druckkessel, der Aufzüge und der Hebezeuge in Heizkraftwerken beauftragt – eine Partnerschaft mit Bestand.