Europa und Kultur – hat Europa Kultur?:Gastkommentar von Christa Prets, Mitglied des Europäischen Parlaments |
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| MdEP Christa Prets, 1999 Mitglied im Europäischen Parlament |
Die Europäische Union hat sich aufgrund ihrer Geschichte als eine Gemeinschaft positioniert, die wirtschaftliche Belange in den Mittelpunkt des Interesses rückt.
Schon bald wurde aber erkannt, dass das alleine zu wenig ist, um so etwas wie eine europäische Identität entstehen zu lassen. Kultur- und Bildungsprogramme sind so ein wesentlicher Beitrag für diese Bemühungen – wenngleich sich das Verhältnis der Dotierungen wesentlich zu Ungunsten der Kultur darstellt.
Europa ist jener Kontinent, der den Humanismus hervorgebracht hat, von hier aus sind philosophische Modelle entwickelt worden, die das Gesicht der Welt wesentlich gestaltet, verändert und geprägt haben. Antriebskraft und kreatives Potenzial dieser Entwicklungen liegen großteils in der kulturellen Vielfalt unseres Kontinents. In der UNESCO-Erklärung zur kulturellen Vielfalt ist diese als Grundwert erkannt und festgeschrieben worden. Wir freuen uns immer darauf hinzuweisen, wie vielfältig das Europa der Regionen ist. Ich selber komme aus einem österreichischen Bundesland, in dem es vier ethnische Gruppen gibt. Die Sprachen bestehen nebeneinander, das Zusammenleben der Volksgruppen funktioniert ohne Probleme.
Die Herausforderung ist es, solche Modelle vom Kleinen auf das Ganze, Große zu übertragen. Ein wichtiges Element dabei ist die Sprachenkompetenz. In den Bildungsprogrammen der Europäischen Union – Lifelong Learning, Leonardo, Grundwig etc. – werden jährlich zahlreiche Angebote finanziell unterstützt, die es Jugendlichen ermöglichen sollen, Sprachen zu erlernen, andere Länder und Menschen kennen zu lernen, und durch diese Kompetenzerweiterung auch persönlich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lebensgestaltung einen Mehrwert zu gewinnen.
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Das kommende Jahr 2008 wird unter dem Motto des „Interkulturellen Dialogs“ stehen. Angesichts der aktuellen Lage in vielen Teilen der Welt ein Thema, das aktueller denn je ist. Bei der Gründung der Europäischen Union ist es unter anderem auch darum gegangen, dass ehemalige Kriegsgegner, Feinde von früher, am Verhandlungstisch an Lösungen zu Problemen arbeiten. Man hat den Eindruck, dass diese Qualitäten auch innerhalb einiger Verantwortlicher in der EU immer mehr in Vergessenheit geraten und dafür militärische Drohgebärden, nationaler Chauvinismus und geopolitische Machtspiele den Ton angeben.
Es wird an uns liegen, diesen Dialog zu führen, aber ihn auch einzufordern: sowohl im überschaubaren Lebensumfeld jedes Einzelnen wie auch im übergreifenden globalen Kontext. Es mag Grenzen geben zwischen kulturellen Traditionen und weltanschaulichen Überzeugungen, die nicht überschritten werden können. In der Kenntnis dieser Grenzen aber müssen Modelle des Zusammenlebens entwickelt werden, die eine friedliche Koexistenz der Menschen ermöglichen und sogar fördern. Das bedarf vieler Anstrengungen von beiden Seiten. Kunst und Kultur können einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung und zum Verständnis beitragen.
Eine solche Initiative sind die „Europäischen Kulturhauptstädte“. 2009 wird Linz in Österreich diese Funktion übernehmen, 2010 wird u.a. Kassel dieses Prädikat tragen und so seinen Teil zu Dialog und Integration leisten können. Bei allen institutionalisierten und „eventhaften“ Einrichtungen darf aber nicht darauf vergessen werden, dass jede und jeder im persönlichen Umfeld mit dem ersten Schritt beginnen muss. Haben Sie schon Ihren nächsten Sprachkurs belegt?
Autorin: Christa Prets, seit 1999 Mitglied im Europäischen Parlament. Sie ist Kultursprecherin der SPE-Fraktion im Europäischen Parlament und engagiert sich auch privat in europäischen Kunst- und Kulturprojekten (www.christaprets.at)