Wieviel Auto braucht der Mensch?:

Komfort und Sicherheit bestimmen die Kaufentscheidung

 

Die Ansprüche der Autofahrer haben sich verändert: Waren es früher Attribute wie „Zuverlässigkeit“ oder ein „großer Kofferraum“, stehen heute andere Anforderungen im Vordergrund.

Der Käufer versteht eine elektronisch geregelte Klimaanlage, elektronische Fahrassistenten, Xenonlicht und mindestens vier Airbags als Standard und weniger als optionales Zubehör. Werte des Komforts haben jene der Nützlichkeit in den Hintergrund geschoben. Die Kunden sind deutlich anspruchsvoller geworden. Bequemlichkeit und Sicherheit gehören zu den Grundwerten eines „guten“ Kraftfahrzeugs.

Dieses technologische Wettrüsten geht einher mit einer ständigen Zunahme des Fahrzeuggewichtes, was zur Folge hat, dass man nun mit mehr als 1,5 Tonnen schweren Gefährten im Stau steht, um einen Liter Milch aus dem Supermarkt zu besorgen. Doch damit nicht genug. Der Trend in der Automobilbranche geht immer deutlicher zur Diversifizierung. Der allerweltstaugliche Mittelklassewagen verliert seit Jahren Marktanteile zugunsten spezialisierter Nischen.

Der Geländewagen und das wendige Sportcoupé knabbern am Nimbus des Allroundautos für die ganze Familie. Dieselpartikelfilter und schadstoffarme Motoren können den Schadstoffausstoß bestenfalls verlangsamen, denn die Zeitspanne, bis die neuen Technologien nachhaltig greifen, wird von Experten mit mehreren Jahren, von einigen Kritikern mit Jahrzehnten beziffert.

Der globale Stau?

Dabei sollte man die globale Entwicklung nicht außer Acht lassen. Speziell im asiatischen Raum wird die Verkehrsinfrastruktur mit atemberaubender Geschwindigkeit ausgebaut, und selbst in ländlichen Gegenden entstehen heute moderne Straßen. Bei der aktuellen Verkehrsdichte in China kommt auf 100 Einwohner nur ein einziges Auto, während in Mitteleuropa 50 mal mehr Fahrzeuge anfallen. Die daraus resultierende CO2- Debatte sollte jedoch wesentlich entspannter gesehen werden – und sie findet hauptsächlich in den Köpfen der Europäer statt, denn Europa verursacht am gesamten CO2-Ausstoß nur einen geringen Anteil. Der Verkehr wiederum hat nur einen vergleichsweise geringen Anteil am Emissionsvolumen von CO2. Den Löwenanteil halten hier thermische Kraftwerke und der Hausbrand. Es gilt in diesem Zusammenhang nicht in Aktionismus zu fallen. Langfristige Maßnahmen sind notwendig.

SUVs mit Hybridantrieb?

Einige Autohersteller sind bereits mit Hybridfahrzeugen am Markt vertreten. Im Vordergrund steht wiederum die Senkung der CO2- Emissionen. Deutsche Autohersteller hinken bei diesem Trend deutlich hinterher, oder es gibt erste Versuche, Hybridantriebe in SUV’s zu integrieren – eine Maßnahme, die im Zusammenhang mit diesen Fahrzeugen fragwürdig bleibt.

Die zweite Alternative, die kurzfristige Perspektiven bietet, ist die Umrüstung bestehender Fahrzeuge auf das Flex-Fuel System (eine Umrüstung des Fahrzeuges, bei der wahlweise Benzin oder Bioethanol getankt werden kann), denn pro Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche kann mehr Bioethanol erzeugt werden als flüssiger Biosprit. Dadurch würde der CO2-Ausstoß deutlich gegenüber fossilen Brennstoffen reduziert werden.

Die schon lange in der Entwicklung befindliche Brennstoffzelle wird in absehbarer Zeit keine Marktreife erlangen: Zu viele Probleme gilt es in diesem Zusammenhang noch zu lösen, wie zum Beispiel die dauerhafte und gefahrlose Speicherung des Kraftstoffes Wasserstoff und nicht zuletzt die wesentliche Frage der Herstellung des benötigten Wasserstoffs selbst. In naher Zukunft ist jedenfalls mit einer Steigerung der Verkehrsdichte in innerstädtischen Bereichen Westeuropas von bis zu 180 % zu rechnen, gepaart mit weiteren Verschärfungen bei der Abgasreinigung (Denoxierung) bei Diesel- und Ottomotoren, welche dem Käufer eine Teuerung von 1.000 bis 1.500 Euro bescheren werden. Die technischen Lösungen befinden sich bereits in den Schubladen der Automobilhersteller, die Entscheidung, welches Automobil Zuspruch findet, bleibt bei den Käufern.

Autor: Dipl.-Ing. Dr. Markus Guggenberger

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